FACHZENTRUM FÜR HALS-NASEN-OHRENHEILKUNDE
Diagnosen

Obstruktives Schlafapnoesyndrom

Definition

Während des Schlafes kommt es durch eine teilweise oder vollständige Verlegung des Atemweges zu Atemaussetzern (Apnoe) oder Episoden zu flacher Atmung (Hypopnoe). In der Folge kommt es zu einem messbaren Sauerstoffabfall im Blut, worauf der Körper teils mit Weckreaktionen reagiert (Arousals). Der unerholsame Schlaf führt zu einer vermehrten Tagesmüdigkeit mit Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Entstehung

Der Kollaps der Atemwege entsteht im Bereich der Muskeln und Weichteile des oberen Luftwegs, meist auf Höhe des Halszäpfchens und Weichgaumens sowie des Zungengrundes und Kehldeckels. Risikofaktoren für die Entwicklung eines Schlafapnoesyndroms sind Übergewicht, eine Verengung des Rachens (z.B. vergrößerte Mandeln, Bissfehlstellungen, vergrößerte Zunge), eine Nasenatmunsgbehinderung (z.B. Nasenscheidewandverkrümmung, Nasenmuschelvergrößerung, Nasenpolypen), Alkohol- und Nikotinkonsum. Unregelmäßige Bettgehzeiten, Schichtdienst aber auch Medikamente wie Schlaf- oder Beruhigungsmittel können ein Schlafapnoesyndrom begünstigen. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Symptome

Neben oft beobachteten, lauten Schnarchgeräuschen bemerken Lebenspartner von Betroffenen häufig beängstigende Atemaussetzer, die wenige Minuten andauern können. Teilweise wachen Patienten auf und schnappen nach Luft, könne sich aber selbst nicht an diese Ereignisse erinnern. Durch den ineffektiven Schlaf beklagen Patienten eine vermehrte Tagesmüdigkeit mit Einschlafneigung bei monotonen Tätigkeiten (Autofahrten, Fernsehen, Pausen während des Tages), eine erhöhte Neigung zu Sekundenschlaf beim Autofahren, Konzentrations- und Gedächtnisschwächen, Reizbarkeit, morgendlichen Kopfschmerzen und auch Impotenz.

Diagnostik

Eine ausführliche Untersuchung der oberen Luftwege beinhaltet eine Untersuchung von Nase, Nebenhöhlen, Mundhöhle mit Gebiss und Unterkieferstellung, Rachen und Kehlkopf. Ergänzend sind Allergietest und  Nasenatmungsuntersuchung hilfreich. Eine ambulant durchgeführte Untersuchung der Schlafatmung („Polygraphie“) erlaubt eine Diagnosestellung  und Unterscheidung des „reinen Schnarchens“ zum Schlafapnoesyndrom. Der Patient erhält dabei ein Gerät mit nach Hause, welches er für eine Nacht anlegt. Am Folgetag werden die Daten in der Praxis ausgelesen und direkt besprochen. Das Gerät erlaubt zudem eine Abschätzung des Schweregrades der Erkrankung. Bei mittelgradig bis schwerem Schlafapnoesyndrom empfiehlt sich eine Untersuchung im Schlaflabor und gegebenenfalls die Beratung bezüglich einer Schlafmaskenanpassung.

Für Patienten mit leichtgradiger Schlafapnoe oder für solche, die eine Maskenanpassung nicht vertragen, empfiehlt sich die Beratung von Therapiealternativen.

Dabei erlaubt die Schlafvideountersuchung (Somnoendoskopie), die Atemwege in simulierten Schlaf mittels Kurznarkose auf Engstellen und Schnarchgeneratoren zu untersuchen. Dies erlaubt eine sichere und effektivere Therapieplanung.

Therapie

Bei leichtgradiger Schlafapnoe empfehlen sich oftmals sogenannte Lifesytle-Maßnahmen ("Schlafhygiene"). Sollte dies nicht zum Erfolg führen, sind weitere Optionen  verfügbar. Je nach Entstehungsmechanismus des Schnarchens können Hilfsmittel wie Aufbiss-Schienen oder auch „Stents“ hilfreich sein, die den Atemweg in der Nacht aufhalten. Aber auch operative Verfahren am Ort des Geschehens können zum Erfolg führen. Dabei werden minimal invasive Verfahren (Gaumenimplantate, Radiofrequenztherapie) genauso wie ausgedehntere Operationsansätze (Nasenoperation, Gaumenkorrektur mit Mandelentfernung, etc.) angeboten. Nach erfolgter Schlafvideoendoskopie können wir eine auf den Patienten zugeschnittene Therapie anbieten und einleiten. 

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe, die eine Schlafmaske (CPAP-Maske) nicht vertragen oder wünschen, können nach ähnlichem Therapieverfahren oftmals zumindest eine Linderung des Beschwerdegrades erfahren. Insbesondere eine Verbesserung der Nasenatmung kann auch eine zuvor gescheiterte Maskenanpassung ermöglichen.