FACHZENTRUM FÜR HALS-NASEN-OHRENHEILKUNDE
Diagnosen

Tinnitus

Definition

Ein Tinnitus ist ein Geräusch, welches nur der Patient wahrnimmt, andere Personen aber nicht. Eine seltene Ausnahme stellt der objektivierbare Tinnitus dar, in dem beispielsweise der körpereigene Puls auch vom untersuchenden Arzt gehört werden kann, bzw. in anderen Untersuchungen nachvollziehbar ist.

Man unterscheidet akuten ("frischen") und chronischen (Monate, Jahre, Jahrzehnte bestehenden) Tinnitus, die jeweils unterschiedlich zu behandeln sind.

Entstehung

Stress als Auslöser? - Ja und nein. Heute sind die Parallelen zum Herzinfarkt gezogen. So werden akute Durchblutungsstörungen als Ursache gesehen, womit folgende typische Risikofaktoren für einen Tinnitus und Hörsturz gesehen werden – wie für das Herz auch: erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfette, erhöhtes Cholesterin, Rauchen. Die Analyse ist wichtig.

Beim chronischen Tinnitus nimmt man inzwischen an, dass es im Hörzentrum des Gehirns zu einer sich eigenständigen, übersteuerten Aktivität von Nervenzellen im Gehirn kommt. Durch sogenannte "synchrone" Hirnaktivität wird der Ton in einer Dauerschleife verankert.

Lärm („Laubsauger“, Disko, mp3-Player …) führt zunehmend häufiger – auch gerade bei Jugendlichen zu Ohrgeräuschen. Auch manche Infektionserreger, wie die von den Zecken übertragenen Borreliose, lassen sich immer wieder identifizieren (keine Impfung möglich!). Weitaus seltener sind andere Ursachen wie zB gutartige Tumore im Verlauf des Hör- und Gleichgewichtsnervs zum Gehirn oder Kontakte zwischen kleinen Blutgefäßschleifen und Nerv in der gleichen Region im Gehirnschädel.

Symptome

Das Ohrgeräusch kann von einem tiefen Brummen oder Rauschen bis zu einem hohen Pfeifton sehr vielfältig auftreten. Leisere Töne können dabei durch Alltagsgeräusche übertönt werden, und somit teilweise erst in ruhigerer Umgebung, typischerweise abends im Bett, wahrgenommen werden. Ob ein Tinnitus als störend empfunden wird, ist aber von vielen begleitenden Faktoren abhängig.

Ein Tinnitus kann oft begleitend mit einem Hörsturz auftreten. Bei einigen Erkrankungen können auch Schwindelbeschwerden auftreten. Manche Patienten zeigen zudem eine gesteigerte Empfindlichkeit auf lautere Geräusche, der sogenannten Hyperakusis.

Diagnostik

Neben einer Ohruntersuchung wird neben der Hörprüfung auch eine Untersuchung des Gleichgewichtsorgans zur Ursachenforschung vorgenommen. Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) können Aufschluss über die Herkunft eines Ohrgeräusches geben.

Therapie

Handeln ist beim akuten Ohrgeräusch angesagt. Der akute Tinnitus mit oder ohne Hörminderung (Hörsturz) gilt zwar heute nicht mehr als akuter Notfall, einige Stunden Zeitverschiebung sind ohne eine wesentliche Verschlechterung der Heilungschancen problemlos, aber eine mehrtägige oder gar wochenlange Wartezeit sollte vermieden werden.

Neben der medikamentösen Therapie können, je nach Ausmaß der begleitenden Beschwerden, auch andere Therapieverfahren zu einer Linderung oder Befreiung vom Ohrgeräusch führen.

Spannende, neuere Therapieverfahren sind bei kürzlich aufgetretenem Ohrgeräusch die Injektion von Cortison ins Mittelohr. Für den chronisch bestehenden Tinnitus (über 3 Monate in Folge) mit entsprechendem Leidensdruck bietet die adaptive Neuromodulation (kurz: ANM) einen Behandlungsansatz.